5 Faktoren für Luftqualität in Innenräumen

Laut dem Report über Luftqualität in Innenräumen der Environmental Protection Agency (EPA) verbringen Amerikaner/-innen im Durchschnitt 90 % ihrer Lebenszeit in Innenräumen, Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten (Säuglinge, Alte usw.) und solche, die Luftverschmutzung meiden müssen (wegen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw.), mitunter noch mehr.

Gleichzeitig werden in den letzten Jahrzehnten Gebäude aus Gründen der Energieeffizienz immer weniger luftdurchlässig gebaut, was die Konzentration von Luftschadstoffen in Innenräumen ansteigen lässt. Der Luftaustausch erfolgt meist über eine mechanische Lüftung, Fenster lassen sich zum Teil gar nicht mehr öffnen. Ausserdem wird nicht nur beim Bau vermehrt synthetisches Baumaterial verwendet, sondern auch Einrichtungsgegenstände, Reinigungs- und Waschmittel, Körperpflegeprodukte, „Lufterfrischer“ usw. bestehen aus synthetischen Stoffen, die Luftschadstoffe absondern, die sich in Innenräumen akkumulieren können.

Weil die Luftqualität in Innenräumen (zu Hause, in Schulen, Büros, Gyms usw.) langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat, setzen wir uns in diesem Beitrag mit fünf Faktoren auseinander, von denen Luftqualität in Innenräumen abhängt: Der wichtigste Faktor ist die Beschaffenheit der Gebäudehülle. Weitere Faktoren sind Luftschadstoffe, deren Pfade in das Gebäudeinnere und innerhalb desselben, die Luftdruckverhältnisse und schliesslich das Verhalten der Bewohner/-innen (vgl. Jack Springston: „IAQ and the four Ps“, in: Healthy Indoor, Sept. 2015, p. 26-33 PDF).

Faktor 1 – Gebäudehülle:

An eine Gebäudehülle werden verschiedene, zum Teil sogar gegensätzliche Anforderungen gestellt, zunehmend von Bedeutung ist die Energieeffizienz im Hausbau, die mitunter durch Baunormen vorgeschrieben wird (unvollständige Aufzählung nach: Bautechnik der Gebäudehülle, ISBN 978-3-7281-4129-3):

Behaglichkeit: Ein Grossteil unserer Lebenszeit verbringen wir in (mehr oder weniger) geschlossenen Innenräumen: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, akustische Behaglichkeit (Raumakustik) spielen dabei eine wichtige Rolle.

Wärmeschutz: Die kalte Jahreszeit darf keine Bauschäden am Gebäude bewirken, deshalb muss die Wärmedämmung in der thermischen Gebäudehülle ausreichend sein, Wärmebrücken sind zu vermeiden. Im Sommer wirken grosse Fensterflächen als Heizkörper. Rollladen, Storen und spezielle Maueranstriche können einem Aufheizen der Gebäudehülle entgegenwirken.

Feuchteschutz: Bauschäden durch Wasser, das sich ansammelt und zu Schimmelpilzbildung (Sporen sind organischer Feinstaub), Kondensatausscheidungen oder Wasserinfiltration führt, sind umgehend zu beheben.

Luftdichtheit: Eine möglichst geringe Luftdurchlässigkeit zeichnet die moderne Gebäudehülle aus. Der Luftaustausch findet dabei über eine Belüftung statt, die mitunter dafür sorgen soll, dass der Luftdruck im Innern höher ist als Aussen und so keine Luftschadstoffe eindringen können. Ausschlaggebend ist dabei die Wahl eines geeigneten Ortes für die Fassung der Zuluft, denn im schlechtesten Fall werden Schadstoffe über die Lüftung ins Gebäude gepumpt.

Schallschutz: Anforderungen an den Schallschutz am und im Gebäude sind abhängig von Konstruktion, Bauweise und Baumaterial. Belüftungs- und andere Schächte können insbesondere auch Schall im Gebäudeinnern verbreiten.

Tageslicht: Weil zwei Drittel aller Sinneswahrnehmungen über den Sehapparat aufgenommen werden, spielen Fenster eine wichtige Rolle, um natürliche Beleuchtung zu gewährleisten.

Faktor 2 – Luftschadstoffe:

Die Quellen von Luftschadstoffen können ausserhalb oder innerhalb des Gebäudes liegen. Je nach Jahreszeit, Wetter- und Verkehrslage herrscht im Freien unterschiedliche Luftqualität, die beeinflusst wird von Feinstaub (Verkehr, Industrie, Flughafen [u.a. PM1-Schleuder], Heizung, Cheminees, offene Feuer, aber auch Pollen, Staub usw.) und Abgasen und Dämpfen sowie daraus resultierenden sekundären Produkten (Ozon, Kohlenmonoxyd, Stickoxide, VOC usw.) Auch innerhalb der Gebäudehülle gibt es Feinstaubquellen (Tabakrauch, Duftkerzen, Räucherstäbchen usw.) sowie ebenfalls Abgas- und Dampfquellen (Reinigungsprodukte, Kochen, “Lufterfrischer”, Parfüm, Haarspray, Waschmittel, Weichspüler, Insektizide, Lacke, Farbe, Plastik, Ausdünstungen von Mensch und Tier usw.) Und schliesslich kann die Lüftung selber zur Verschlechterung der Luftqualität beitragen und Schadstoffe in die verschiedenen Innenräume verteilen, wenn sie falsch konstruiert, schlecht gewartet oder ohne Filter ausgestattet ist.

Faktor 3 – Pfade:

Üblicherweise besitzen Gebäude zahlreiche Pfade, über die Luftschadstoffe von aussen in die Gebäudehülle eindringen (Türen, Fenster, Lüftung, Dunstabzugshaube usw.) und sich innerhalb ausbreiten können (Treppenhäuser, Schächte, Kabelkanäle usw.), auch unübliche Pfade sind möglich (Risse, Löcher usw.). Bewohner/-innen beeinflussen massgeblich diese Pfade, wenn sie Türen oder Fenster öffnen und schliessen oder ständig geöffnet halten (Dauerlüften über Kippfenster usw.)

Faktor 4 – Luftdruckverhältnisse:

Generell gilt es zu beachten, dass es Gebäude gibt, die – höherer Luftdruck im Innern als Aussen – blasen, und Gebäude, die – niedrigerer Luftdruck im Innern als Aussen – saugen. Letzterer Fall ist zu vermeiden, weil dadurch Luftschadstoffe in die Gebäudehülle gesogen werden. Dunstabzugshauben z.B. sorgen für Unterdruck, auch geöffnete Oberlichtfenster (Kaminwirkung) können Unterdruck in der Gebäudehülle erzeugen.

In Gebäuden mit Überdruck wiederum besteht das Problem, dass Luftschadstoffe innerhalb der Gebäudehülle von einem Raum in angrenzende Räume gepresst werden können. Auch der Wind kann dabei eine Rolle spielen, wenn er auf die eine Gebäudeseite weht und dort für hohen Druck sorgt, während auf der windabgewandten Seite ein Unterdruck entsteht. Das kann ebenfalls zu Luftdruckunterschieden zwischen Räumen führen.

Aber nicht nur Luftdruckunterschiede bewirken, dass Luftschadstoffe von A nach B transportiert werden. Gasförmige Schadstoffe und Feinstaub breiten sich aus von einem Bereich hoher Konzentration zu einem Bereich niedriger Konzentration, bis sich ein Gleichgewicht einstellt. Diese sog. Diffusion ist ein langsamer Prozess, während hohe Druckunterschiede Luftschadstoffe sehr schnell durch ein Gebäude bewegen können. Für eine ähnliche Diffusionswirkung sorgt insbesondere während der Heizperiode im Winter aufsteigende warme Luft innerhalb der Gebäudehülle – mit dem Nebeneffekt, dass in den unteren Stockwerken deshalb Aussenluft durch jegliche Öffnungen angesogen wird.

Faktor 5 – Bewohner/-innen

Die Bewohner/-innen sind der grösste Unsicherheitsfaktor, weil sie unterschiedliche Erwartungen und Toleranzen bezüglich Atemluft in Innenräumen haben. Je nach Gesundheitszustand reagieren einige Menschen empfindlicher auf Luftschadstoffe als andere. Ausserdem können Bewohner/-innen in ihren eigenen vier Wänden tun und lassen, was sie wollen, und werden nicht verpflichtet, auf ihre Mitbewohner/-innen Rücksicht zu nehmen. Und um z.B. schlechte Gerüche oder Zigarettenrauch zu “neutralisieren”, greift der Homo oeconomicus nach einem synthetischen Duftstoff a.k.a. “Lufterfrischer”, “Geruchsvernichter”, “Duftstäbchen” usw., um den üblen Geruch zu überdecken. Diese kaskadierende Kakofonie des “Wohlgeruchs” kann u.a. zum Sick Building Syndrom (SBS) führen, bei dem Symptome wie Reizungen von Augen, Nase und den Atemwegen, Hautreizungen, Kopfschmerzen, Schwindel, laufende Nase, tränende Augen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen auftreten können (vgl. hausgemachte Luftverschmutzung).

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